Anklage gegen Carlos Ghosn erhoben

Gegen den Renault-Boss und ehemaligen Nissan-Chef Carlos Ghosn haben Staatsanwälte in Japan Anklage erhoben. Das bestätigte Nissan am Montagmorgen. Dem mächtigen französischen Automanager wird vorgeworfen, jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei der Börse deklariert zu haben.

Tokioter Staatsanwälte erklärten am Montag, es bestehe der Verdacht, dass Ghosn seine Bezüge für fünf Jahre um insgesamt etwa fünf Milliarden Yen (umgerechnet rund 39 Millionen Euro) zu niedrig angegeben habe. Auch ein weiteres Verwaltungsratsmitglied von Nissan, Greg Kelly, wurde angeklagt. Dem Nissan-Konzern werfen die Ermittler vor, den Fall betreffende Dokumente der Börsenaufsicht vorenthalten zu haben. Man nehme die Situation „extrem ernst“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des Renault-Partners.
Seit drei Wochen in Untersuchungshaft
Ghosn war am 19. November festgenommen worden. Seine Festnahme vor einer offiziellen Anklage hatte vor allem außerhalb Japans für Kritik gesorgt. Bis zum 10. Dezember konnten die Strafverfolger den Manager in Gewahrsam halten. Ohne Anklage hätten sie ihn danach heute freilassen müssen.
Ghosn hat bislang über seine Anwälte keine Erklärung abgegeben. Japanische Medien berichteten jedoch, er habe die Vorwürfe zurückgewiesen.

Bleibt Ghosn bei Renault der Konzernlenker?

Nissan und Mitsubishi haben den Automanager als Konsequenz aus der Affäre als Verwaltungsratschef bereits abgesetzt. Beim französischen Autobauer Renault bleibt der 64-Jährige zunächst weiterhin Vorstandsvorsitzender. Kommissarisch vertritt ihn Thierry Bolloré, die bisherige Nummer zwei.
Der visionäre Automanager Ghosn gilt als der Architekt der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Die drei Autokonzerne hatten zuletzt erklärt, sie wollen ungeachtet der Affäre um Ghosn an ihrer Allianz festhalten.

Renault-Aktie ausgebremst

Die „Ghosn-Affäre“ hat den Renault-Aktien hart zugesetzt. Sie büßten seit dem 19. November rund 11 Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit 2014. Auch die Papiere von Nissan rutschten etwas ab.
Manche Auto-Experten sehen in der Anklage eine Art Verschwörung gegen ausländische Manager. „Für hoch bezahlte Manager ist Japan wahrscheinlich ein gefährlicheres Land als Nordkorea“, meinte jüngst Autoanalyst Takaki Nakanishi in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Nakanishi spricht einen Verdacht aus, den in Japan viele hegen. Die Abneigung gegen Spitzengehälter könnte einer der Gründe für den Sturz des Automanagers sein.

 

Quelle: boerse.ARD.de

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