Die Wegwerfmentalität von Kleidung führt zu Problemen! Auch der Staat ist dabei gefragt

Hilfe, ich habe nichts anzuziehen. Den Satz kennt jeder. Dabei sind die meisten Kleiderschränke proppenvoll. Doch es shoppt sich heute so schnell wie nie zuvor, die Hose für 6,99 Euro, das T-Shirt für unter zwei Euro. Modeketten wie Primark, KIK oder Zara werfen alle zwei Wochen neue Ware auf den Markt, reden Kunden ein, sie müssten ihre Garderobe dauernd erneuern. Da ließ sich bisher denken, ist doch kein Problem: Erst landet das selten getragene Teil in der hinteren Ecke des Schranks, aber irgendwann dann in der Altkleidersammlung und dient einem guten Zweck. Nur: Die Realität ist so schön nicht.

Die Ex- und Hopp-Mentalität bringt das Sammelsystem in eine finanzielle Krise. Anders als etwa für die Hausmülltonne zahlt der Verbraucher für die Altkleidersammlung nichts. Dabei ist das Sortieren und Wiederverwerten der abgelegten Sachen nicht umsonst. Das rechnete sich bislang nur, weil sich die Hälfte der Klamotten secondhand verkaufen ließ und damit gutes Geld gemacht werden konnte. Doch mittlerweile sind so viele Fummel schlechter Qualität auf dem Markt, dass sie sich nicht länger tragen und nicht einmal mehr zu Putzlappen verarbeiten lassen.

Die Branche, die zu den größten Umweltsündern gehört, muss ihren Stil ändern – oder dazu gebracht werden. Denkbar wäre eine Recycling-Abgabe, die für die schlecht recycelbare Kunstfaser höher ist als für den Baumwollstoff. Oder Modeketten, die aussteigen aus dem „Kaufen-Einmaltragen-Wegschmeißen-System“, bekommen steuerliche Vergünstigungen. Damit die nächste Mode eins wird: zeitlos schön tragbar.

Was nun tun mit alten Kleidungsstücken?

Die Faustregel laut Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung aus Bonn: Sauber, trocken, und gut erhalten. Die Extras? Waschen ist nicht nötig. Die Textilien sollten aber gut verpackt werden, zum Beispiel in einen Plastiksack. Alle löchrigen, zerstörten und stark verschmutzen Stücke sowie Lumpen und Stoffreste gehören in die Restmülltonne. Übrigens: Neben Kleidung für Kinder und Erwachsene gehören auch gut erhaltene Decken, Bettwäsche, Handtücher oder Stofftiere in die Kleidersammlung; ebenso Schuhe, am besten paarweise zusammengebunden. Vorsicht: Einige Organisationen stellen illegal Sammelcontainer auf, geben vor, mit gemeinnützigen Organisationen zusammenzuarbeiten und täuschen die Bürger. Seriöse Textilsammler dagegen informieren über den tatsächlichen Zweck der Sammlung, geben ihre Kontaktdaten an und sind für Nachfragen erreichbar.

 

Quelle: General Anzeiger

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